Echo-Gewinneralbum steht beim WDR auf dem Index

Köln (dts Nachrichtenagentur) – Das mit einem Echo ausgezeichnete Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ der Rapper Kollegah und Farid Bang steht beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) auf dem Index. Das berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf einen Brief der WDR-Publikumsstelle im Auftrag von Intendant Tom Buhrow an eine Kölner Bürgerin.
Eine Sprecherin des WDR bestätigte auf Anfrage der Zeitung den Inhalt des Schreibens. Darin heißt es, „dass in unseren Radioprogrammen keine Musik aus der betreffenden Albumreihe `Jung, brutal, gutaussehend` der beiden Musiker gespielt wird“. Das gelte auch für das WDR-Jugendradio 1Live, welches „grundsätzlich zwar sehr offen für deutschen Rap“ sei, „im konkreten Fall aber eine Ausstrahlung als unvereinbar mit öffentlich-rechtlichen Programmgrundsätzen eingeschätzt“ habe. „Auf die Nominierung bei den Echo-Awards haben wir jedoch keinen Einfluss“, heißt es in dem Brief weiter, „da der WDR nicht Veranstalter der Show ist.“
Die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang waren am Donnerstagabend für ihr Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ mit dem renommierten Musikpreis ausgezeichnet worden. Sie stehen wegen der Textzeilen „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal `nen Holocaust, komm` an mit dem Molotow“ in der Kritik. Die Auszeichnung erfolgte am 12. April, an dem vor allem Israel an die sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden erinnert. Die Vize-Vorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, Kerstin Griese (SPD), zeigte sich entsetzt über die Auszeichnung.
Beim Echo gehe es nicht um Kunst, sondern um kommerziellen Erfolg. Daher finde sie „erschreckend, dass sexistische, gewaltverherrlichende und eben auch antisemitische Musik so viele Käuferinnen und Käufer findet“, sagte die Bundestagsabgeordnete dem „Handelsblatt“. Griese lobte den Toten-Hosen-Sänger Campino, weil er am Abend der Preisverleihung mit deutlichen Worten die Bühne des Echo genutzt habe, um sich gegen jede Form von Antisemitismus, Homophobie und Frauenfeindlichkeit auszusprechen. „Ich hätte es gut gefunden, wenn noch mehr Musikschaffende dies genauso getan hätten“, fügte sie hinzu.

Bild: Frau mit Kopfhörern / Foto: über dts Nachrichtenagentur